Hier einloggen:
Username oder E-Mail Adresse

 
Passwort

 

Interessante Artikel

Dementielle Zustände durch Kunstfehler?

Dr. ...
Bewertung:


Dementielle Zustände durch Kunstfehler?

Es befindet sich derzeit eine 87jährige Patientin in meiner Sprechstunde.
Eine Pflegerin, die eine Stunde/Tag kommt, bemerkte ein mangelndes Trinkverhalten und konsultierte daraufhin den Notarzt.
Ende Mai 2007 erfolgte die stationäre Aufenthalt mit dem V.a. einen ältere (Tage alte) cerebrale Ischämie bei u.a. verwaschener Sprache und AZ- Verschlechterung.
Ein Apoplex konnte jedoch computertomografisch ausgeschlossen werden. Hierbei zeigte sich lediglich eine subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE).
Laut des Arztbriefes fiel eine rezidivierende Verwirrtheit auf, welche nach deren neurologisch/psychiatrischen Konsiliarius am ehesten auf eine Demenz zurückzuführen sei. Daraufhin 3 mg Bromazepam zur Nacht, darunter seien die Erregungszustände etwas abgemildert.
Die Patientin nimmt seit über 10 Jahren Alprazolam 1 mg.
Eine bestandene Hypovolämie sei durch Voll- Elektrolytlösung ausgeglichen worden.
Während des weiteren stationären Aufenthaltes stürzte die Patientin nachts aus dem Bett und zog sich dabei links eine Schenkelhalsfraktur zu. Die Patientin wurde zur operativen Versorgung auf die unfallchirurgische Abteilung verlegt.Medikamente (erster stationärer Aufenthalt)
Symbicort 2x2 Hub
Beloc zok mite 0,5-o-0,5
Torem 10 1-0-0
Voltaren 1-1-1
Pantozol 40 1-0-1
Vigantoletten 1000 I.E. 1-0-0
Bromazepam 3 mg 0-0-0-1
Der Vater der Patientin ist Kollege. Er hat den Fall genau beobachtet und bittet mich um Rat.
Es ist absurd, dass eine 87jährige Dame alleine aus dem Bett stürzt, wenn das Gitter davor sein sollte. Darauf ist ausdrücklich hingewiesen worden. Das wurde entweder versäumt, oder aber eine Schwester hat sie aus Versehen fallen lassen. Die Patientin ist erst einen Monat vorher operativ versorgt worden, nachdem sie sich in ihrer Wohnung einen Schenkelhalsbruch rechts zugezogen hatte.
Laut Aussage des Sohnes sei die Patientin vor dem stationären Aufenthalt gut ansprechbar gewesen, Verwirrtsheitszustände habe er nicht bemerkt. Nach dem operativen Eingriff habe sich aber der Zustand der Patientin rapide verschlechtert. Starke Verwirrtheitszustände und verwaschene Sprache.
Es wurde nach der OP kein Benzodiazin verabreicht, die Patientin befand sich im Entzug, was zur wesentlichen Verschlechterung beigetragen haben könnte. Eine bestandene Hypovolämie wurde nicht durch Voll- Elektrolylösung ausgeglichen. Die Braunüle habe sich die Patientin selbst gezogen, daraufhin sei es unterlassen worden.
Nach stetiger Verschlechterung des AZ und EZ wurde die Patientin in ein Seniorenheim verlegt. Nach Aussage des Sohnes sei sie nicht mehr ansprechbar gewesen, konnte nicht mehr sprechen und sich eigenständig ernähren. Die Patinetin sei regelrecht „aufgegeben“ worden.
Erst nach wiederholter Aufforderung des Vaters, eine sofortige stationäre Einweisung wegen bestender Hypovolämie zu bewirken, ist die Patientin verlegt worden. Die stehenden Hautfalten seien sehr prägnant gewesen, zudem konnte die Patinetin nicht ausreichend Flüssigkeit selbstständig aufnehmen. Eine Infusion im Heim sei abgelehnt worden.
Nach prompter Übernahme und raschem Ausgleich der Hypovolämie ist die Patientin zu ihrem vorherigen Gesundheitszustand zurückgekehrt. Keinen Verwirrtheitszustände, gute Artikulation, ADL alleine gut zu bewerkstelligen

Was würden sie in diesem Fall dem Sohn der Patintin raten? Sehen sie diesen Fall auch als einen „Kunstfehler“ an. Hätte dieser Zustand nicht vermeidbar sein können?

Vielen Dank und freundliche Grüße

Abstimmungsergebnis

Erwägen Sie anhand dieses Falles ein Verschulden der Klinik?

Das Abstimmergebnis ist nur für esanum Mitglieder einsehbar. Eine Mitgliedschaft für Ärzte ist kostenlos!

Diskussion

8 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 227 Ärzte verfolgen diese Diskussion
3 von 4 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Worin liegt das Verschulden?
Die Behauptung 'Ein Apoplex konnte computertomografisch ausgeschlossen werden' ist meines Erachtens falsch. Einen Schlaganfall kann man aber muss man nicht unbedingt im CT(zumal wenn es früh gemacht wird) nicht sehen.Besser ist MRT, aber Schlaganfall bleibt eine klinische Diagnose.
Dass die dementen Patienten trotz aller Maßnahmen stürzen ist nicht ungewöhnlich. Man hätte das nur(auch nicht 100 % sicher) durch eine Fixierung verhindern können(hätte das Ihr Kollege gewollt ?)
Das einzige, was ich vielleicht nach dem Sturz gemacht hätte ist ein CT(zum Ausschluss eine subuduralen Hämatoms), was aber eher unwahrscheinlich ist, da sich der Zustand der Patientin nach den Infusionen besserte.
Werte Kollegin, meines Erachtens sehe ich aus dem o.g. KEINEN Anhalt für einen Kunstfehler. Auf die Aufklärung(die sicherlich nichts verändern würde) gehe ich nicht ein.
Ich verstehe auch, dass Ihr Kollege über den Zustand seiner Mutter verbittert ist , ich denke aber mit 87 darf man doch ein bisschen krank sein,oder????? Ich muss sagen, ich bin teilweise empört über das Verhalten des Kollegen.

2 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Ab einem bestimmten Alter Altern würde ich nur einen Patienten ins Krankenhaus schicken, wenn es sozusagen um Leben und Tod geht. Oder auf eingenen Wunsch und Verantwortung, klar. In der fremden Umgebung einer Klinik kommt sehr oft vor, dass betagte Patienten sich völlig desorientieren, einen Sturz aus dem Bett erlitten oder irgendwelche Infektion durch Krankenhausbakterien holen. Alles nicht gut.
Ich bin mit djagacic einverstanden. Das Gitter schutzt nicht 100%ig gegen Stürze.
In den Fall vielleicht nach den CT (nach über 72h symptomatisch kann man Infarkte gut ausschliessen, ausser vielleicht in der hinteren Grube), nach vorsichtigen Infusionen und Ausschluß einer Harnwegsinfektion oder sonst. Infekte hätte die Frau spätestens am nächsten Tag nach der Aufnahme nach Hause oder ins Heim gehen können. Feinere nicht dringende Diagnostik dann bitte ambulant.
Die Wirklichkeit sieht aber leider anders aus. Die Patienten werden aufgenommen, sie werden ca. 2-3 wochenlang durchuntersucht (sehr oft unabhängig von der Symptome), erlitten ein paar Krankenhauskrankheiten in der Zeit und nur mit viel Glück werden sie in ihrer vertrauten Umgebung entlassen. Viele brauchen danach ein Heim.
Der Kollege hätte vielleicht das Ganze ein bißchen steuern können, als die Mutter noch in die KLinik war. Besser prophylaktisch handeln, als danach zum Anwalt zu gehen.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Allgemeinmedizin

Guter Beitrag, leider habe auch ich in meiner allgemeinmedizinischen Praxis immer wieder solche Verläufe.
Fazit meines Erachtens:
ein "Verschulden " bzw. auf Kommunikationsproblem auf jeglicher Ebene:
1.Des Betreuenden Hausarztes vor Einweisung: Wo ist der Medikamentenplan, wo ist seine Notfalltelefonnummer?Ist nirgendwo dokumentiert,dass die Patientin Benzodiazepinabhängig ist?
2.Des betreuenden Pflegers: Wieso ruft er eine Notarzt, (oder war es vielleicht der ärztliche Notdienst?)und nicht den Hausarzt? Warum wird die Benzodiazepinabhängigkeit nicht weitergegeben?
3.Des Krankenhauses: Warum wird der betreuende Hausarzt nicht angerufen,vielleicht hätte man der Patientin das CT ersparen können. Die Verlegegung in ein Seniorenheim sollte
auch mit dem Hausarzt abgesprochen werden!
4.Des Sohnes: Hätte nicht auch er zu einer schnelleren Dia-
gnose und Verbessererung der Kommunikation beitragen können?
4.Vor allem aber nach Verlegung des Hausarztes:dieser ist verantwortlich für die Patientin, zumindest ab dem Eintreffen ins Pflegeheim und sollte trotz hohen Zeitaufwandes die Kommunikationslücke schließen!

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie

Ich hatte den Beitrag im Januar schon mal gelesen und Schwierigkeiten ihn chronologisch und inhaltlich zu verstehen.
Ein Versuch:
Die Patientin hat bildgebend eine SAE (M. Binwanger), also eine dementielle Krankheit.
Sie lebe im Heim und werde durch eine Pflegerin versorgt. Andererseits sei sie gut ansprechbar, ohne Verwirrtheitszustände gewesen und habe alle ADL bewältigt. Diese Widersprüche sind ungeklärt, nicht hingegen die Diagnose einer dementiellen Krankheit.
Die Frage aus der Überschrift ist damit geklärt.

Es sind drei gute Gründe für eine Verschlechterung mit Auftreten von Verwirrtheitszuständen bei vorgeschädigtem Gehirn genannt:
1. Benzodiazepinentzug
2. Durchgangssyndrom nach Schenkelhalsfraktur
3. Exsikkose

Die Patientin soll nicht in der Lage gewesen sein, über ein Bettgitter zu steigen obwohl sie vorher alle ADL ...
In meiner Krankenhauszeit habe ich dieses Phänomen bei erregt verwirrten Patienten mehrfach erleben müssen. Die bessere Lösung wäre ein Bauchgurt, ggf. auch Fußgurte gewesen. Unmöglich ist dies also ganz und gar nicht.

Die Entlassung der Patientin mit Exsikkose halte ich zurückhaltend formuliert für fragwürdig. (Wurde eine Magensonde diskutiert?)

Der Begriff Kunstfehler sollte vorsichtig verwendet werden. Am ehesten ließe er sich m.E. noch auf die Verordnung von Benzodiazepinen über 10 Jahre - davon eine unklare Zeit bei dementieller Krankheit - anwenden. Vor 2 Monaten wurde ein Kollege im Rhein-Main-Gebiet wegen eines Todesfalles im Zusammenhang mit jahrelanger, unkritischer Verschreibung von Beruhigungsmitteln zu € 20.000 verurteilt.

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Den Kunstfehler sehe auch ich wenn überhaupt in der jahrelangen unkrit. Benzoverschreibung, und da hat sich der Arzt in der Familie (wirklich nder VAter (!!??) ist Kollege oder eher der Sohn ob des Alters....)mitschuldig gemacht. So etwas gehört unterbunden. Und mit Bromazepam 3 mg breche auch ich mir alle Knochen: damit kann man NIEMANDEN alleine lassen außer junkies, oder? Und was soll der Betablocker mit Symbicort? Wird das bei der verwirrten PAt. überhaupt noch richtig appliziert? PAntozol 2x40 hilft nur dem Hersteller, überdosiert. Voltaren 3x1 als Dauertherapie bei Bettlägerigem? Obsolet. ABer das ist nicht nur eine traurige Klinikempfehlung sondern doch auch des weiterverordnenden Arztes und auch des beobachtenden.

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Den Kunstfehler sehe auch ich wenn überhaupt in der jahrelangen unkrit. Benzoverschreibung, und da hat sich der Arzt in der Familie (wirklich nder VAter (!!??) ist Kollege oder eher der Sohn ob des Alters....)mitschuldig gemacht. So etwas gehört unterbunden. Und mit Bromazepam 3 mg breche auch ich mir alle Knochen: damit kann man NIEMANDEN alleine lassen außer junkies, oder? Und was soll der Betablocker mit Symbicort? Wird das bei der verwirrten PAt. überhaupt noch richtig appliziert? PAntozol 2x40 hilft nur dem Hersteller, überdosiert. Voltaren 3x1 als Dauertherapie bei Bettlägerigem? Obsolet. ABer das ist nicht nur eine traurige Klinikempfehlung sondern doch auch des weiterverordnenden Arztes und auch des beobachtenden.

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Wenn wir jetzt ganz kritisch werden: was ist Torasemid+Diclophenac (150mg!!)+niedrige Trinkmenge bei einer 87jährigen Patientin, wenn nicht eine hohe Wahrscheinlichkeit der Niereninsuffizienz? Und eine COPD-Patientin (wieso den Symbicort sonst) mit ß-Blocker und noch besser Benzodiazepine zu behandeln? Und dazu der Sohn Arzt? Es ist besser für ihn, es so zu lassen. Wenn der Anwalt des Krankenhauses ein Ausgeschlafener ist, könnte der Sohn Ärger bekommen.

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

so sehe ich es auch....

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin, Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Liebe Kollegen,

vielen Dank für ihre Kommentare.
Ich denke, ich muss nochmal einiges klarstellen.
Zum einen wohnt der Vater ca 700 Kilometer von seiner Mutter entfernt.Die Patientin hat seit Jahren starke Osteoporose- bedingte Schmerzen und lebt seit mehr als 30 Jahren alleine.
Ihr Hausarzt hat ihr die Benzodiazepine verschrieben, seitdem schläft sie besser und hat weniger Angst. Wir alle wissen, dass Benzodiazepine ein „Teufelszeug“ sind. Allerdings war sie zu einem Entzug nie bereit und ist in diesem hohen Alter eine gefährliche Angelegenheit.
Insofern ist der Gebrauch weniger schädlich als der Gebrauch.
In diesem Fall trifft der Vater keinerlei Schuld. Er bemüht sich sehr um seine Mutter. Es lief schon auf Hausarzt- Ebene einiges schief, bevor sie eingeliefert wurde.
Zudem hat die Klinik die Dosis von 1mg auf 3mg erhöht. Die Informationen von Seiten der Klinik wurden an den Vater kaum weitergegeben.
Aber was sagen sie denn dazu, dass diese Patientin völlig apathisch, desorientiert, komplett dehydriert und nicht mehr ansprechbar in dem Heim vor sich hin vegetierte?
Wenn ihr Vatere in diesem Fall nicht darauf bestanden hätte, seine Mutter erneut in eine Klinik zu überwiesen, wäre sie leider qualvoll vollendet.
Die Klinik hat dies bestätigt.
Wie kann man eine 87- jährige Frau mit stehenden Hautfalten in diesem desolaten Zustand belassen, ohne einen Infusion zu verordnen? Das ist das erste und mindeste, was man in diesem Fall hätte tun können.
Ich finde es teilweise katastrophal, wie man älter Patienten behandelt. Das ist unverantwortlich.
Man muss sich nur in die Lage versetzten. Was würden sie in diesem Fall machen, wenn es ihre eigene Mutter wäre. Ich kann nur sagen, dass ich genauso erschüttert wäre.
Man sollte ältere Menschen genauso schätzen, wie jeden anderen Patienten.
In diesem Fall hat m.E. die Klinik komplett versagt. Das finde ich sehr tragisch.
Wahrscheinlich müssen einige Leute noch an der Einstellung zu älteren Menschen arbeiten. Dann kann eventuell so etwas vermieden werden.
Glücklicherweise geht es momentan der Patientin hervorragend.
Vielen Dank und liebe Grüße

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Ich denke, dass die Apathie bzw. Desorientierung eindeutig auf die Exsikkose zurückzuführen ist. Delirzustände treten oft bei betagten Patienten nach Exsikkose.
Jetzt haben Sie die Geschichte aber auf den Kopf gestellt. Man denkt ein Pflegeheim wäre an allem Schuld. Außerdem kann man eine Exsikkose bei engagiertem Hausarzt durchaus ambulant behandeln.
Meiner Meinung nach sollten Sie nicht so streng urteilen;Sie machen bestimmt selber Fehler und haben oder werden möglicherweise auch größere Sachen übersehen.

Dr. ...Dr. ...
Neurologie

Ich habe etwas Schwierigkeiten mit dem Beitrag. Immer wieder wird über den Vater einer 87-jährigen gesprochen, also einen Kollegen der inzwischen mindestens 105 sein dürfte.
Exikose ist sowohl im Krankenhaus als auch in Heimen ein Problem. Ist für die Patientin 8mit einer dementiellen Erkrankung) keine Betreuung eingerichtet worden und lässt sie es nicht zu, dass eine Braunüle gelegt wird, sind wir machtlos.
Hier von einem Kunstfehler zu sprchen wäre überzogen, da ist eher die Kombination des Betablockers und Symbiocort als "zweifelhaft" zu bezeichnen.
Zudem eine iatrogene "Low dose Benzodiazepinabhängigkeit".

Wiederkehrende Verwirrtheit ist ein typisches Merkmal der SAE. Und ja, ich habe da schon alte Menschen gesehen die sich aus dem Bauchgurt gedrehthben und über das Bettgitter gestiegen sind.

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Vater?? Ich hoffe, wir reden über den Sohn. Wie oben gesagt, besser Finger weg von Rechtsanwälte. Jeder Richter würde sich fragen, warum der Sohn als Arzt nichts unternommen hat, um die Mutter medizinisch besser zu "steuern". Eine "Entschuldigung" hätten vielleicht KOllegen aus internistisch fremden Bereichen zB Patologen, Dermatologen etc... Ich meine damit nicht, dass der Sohn verantwortlich für den Fall ist!

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Vor Jahren durfte ich an einer Fortbildungsmaßnahme der Royal Society of Medicine in London teilnehmen. Es ging um Affection in Ballet Dancers, Verletzungen der Berufstänzer eben.

Nach Vorträgen und Fragemöglichkeiten stand ein adipöser Herr im Anzug auf, der an einen der Vortragenden die Frage richtete, ob die erfolgte Behandlung eines ihm bekannten Patienten nach einer typischen Tänzerverletzung nach lex artis erfolgt sei, die er kurz beschrieb.

Mein Nebenmann meinte zu mir, der Herr könne unmöglich Arzt sein. Wohl eher Anwalt, der sich weniger um den Patienten sorge sondern sich für die Aussichten einer Schadensersatzklage interessiere. Schien mir genauso, obwohl ich im englischen Fachvokabular damals noch wenig vertraut gewesen war und selber den falschen Kollegen nicht ad hoc entlarvt hätte.

Der Vortragende meinte auf die Frage des Anwalts/vermeintlichen Kollegen, die von ihm beschriebene Behandlung sei ja geradezu vorzüglich gewesen, er hätte derart profunde Kenntnisse des behandelnden Kollegen gar nicht vorauszusetzen gewagt. Fand ich keine schlechte Antwort. Noch besser aber die Einleitung seiner Antwort:
"May I assume you are not a Ballet Dancer yourself?" (120 kg Anwalt!).

Webmaster und Kollegen, ich hoffe aufrichtig, dass dieser Fall anders liegt!

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin, Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Liebe Kollegen,

wie man sieht, ist dies ein sehr heikles Thema.

Erstmal muss ich mich entschuldigen: es ist natürlich nicht der Vater, sondern, wie sie schon richtig festgestellt haben, der Sohn.
In diesem Beitrag soll es sich in keinem Fall um ein juristisches Vorgehen handeln. Es ging mir nur um die Tatsache, dass leider gerade bei älteren Patienten oft das essentielle verpasst wird. Natürlich habe ich auch schon Fehler gemacht, jeder Arzt hat das bestimmt schon. Hoffentlich nicht allzu schwerwiegende Fehler, die einem Menschen fast das Leben kosten können.
Genau das ist der Punkt: teilweise verurteilen sie den Sohn aufgrund der Benzodiazepin- Einnahme. Die Patientin hat vor Jahren diese von ihrem Hausarzt verschrieben bekommen. In ihrem Fall helfen ihr diese. Wie schon erwähnt, sind jedem die Gefahren der Benzodiazepine bewusst. Allerdings stirbt man davon nicht. Nur im Fall eines Entzuges, wie man an dem Fall sehen kann, kann es für eine ältere Dame sehr gefährlich werden. Auf die Einnahme ist von Seiten des Sohnes mehrmals hingewiesen worden. Das wurde leider missachtete.
Die Problematik war die Exsikkose und ein bestehender Infekt, der nicht saniert wurde. Wenn sie den Sohn in die Mangel nehmen, warum tun sie dies nicht mit der behandelnden Klinik?
Ohne die intensiven Bemühungen des Sohnes wäre die Patientin im Heim verblieben und wahrscheinlich an den Folgen der Exsikkose und des bestehenden Infektes verstorben.
Durch die prompte Übernahme in eine neue Klinik wurde die Exsikkose und auch der Infekt behoben. Der behandelnde Arzt befand die vorherige Therapie als ganz klares Fehlverhalten.
Ich wollte mit diesem Beitrag nur darauf hinweisen, dass kleine Fehler leicht einem Menschen das Leben kosten können. In diesem Fall ist es glücklicherweise noch mal gut verlaufen. Allerdings nur durch intensive Bemühungen des Sohnes.
Und genau diese Tatsache finde ich sehr traurig.
Kein Arzt ist unfehlbar. Durch eine Entschuldigung reißt sich doch keiner ein Bein aus, oder? Das ist alles nicht erfolgt. Aber das wäre wohl ein Schuldeingeständnis der Klinik gewesen, und das birgt die Angst vor einer Klage.
Die Patientin wurde einfach in ein Heim abgeschoben. Und die Therapie der Klinik ist einfach kopiert worden.
Eine Klage ist und wird nicht erfolgen. Es geht nur um Fehlervermeidung. Wenn alle Ärzte an einem Strang ziehen würden, könnten wesentlich bessere Therapieerfolge erzielt werden.
Ich fände es gut, wenn man solche Fälle hier diskutieren würde, um daraus lernen und eine Therapieoptimierung erzielen zu können.
Nochmals vielen Dank für ihre Beiträge.

Liebe Grüße

In 20 Sekunden Mitglied werden!

„esanum - Ihre Ärzteplattform im Internet


Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



Informationen zum Beitrag

Andere interessante Beiträge

neuer BeitragPanzytopenie bei Leberzirrhose
Heute hoffe ich Antwort auf folgende Frage zu bekommen. Kürzlich habe ich eine Patientin ...
Beitrag bereits gelesenTodesfälle und Diabetes durch Gyrasehemmer
Zusammenfassung Die Gyrasehemmer zählen zu den wirksamsten und nebenwirkungsarmen Anti...
neuer BeitragCytotec bei der Geburtseinleitung
Welche Erfahrungen gibt es zur Dosismodifikation von Cytotec für die Geburtseinleitung? Ob...
neuer Beitragi.m.Spritzen?
Während der Prüfung zum Palliativmediziner durfte ich mich darüber aufklären lassen, daß e...
Beitrag bereits gelesenBehandlung eines HVL-Adenoms nach OP
Ein Patient hat bei Zustand nach OP eines HVL-Adenoms 1973 ein Rezdiv mit Makroprolactinom...
Kontakt | AGB | Datenschutz | ihre Fragen | Hilfe | Presse | Impressum
blog (de) | esanum.de | esanum.at | esanum.ch | esanum.es | esanum.it | esanum.fr | esanum-dent.de | esanum-dent.at | esanum-dent.ch
letzte Änderung: 10.9.2010 1:03