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Diabetes?

Dr. ...
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Diabetes?

Taugt das HbA1c als Screening-Parameter für Diabetes mellitus?
Seit einiger Zeit untersuche ich routinemäßig das HbA1c z.B. zur Gesundheitsuntersuchung. Dabei ist erschreckend wie häufig HbA1 c (gering) erhöht ist. Der daraufhin veranlasste orale Glucosetoleranztest ist nicht immer, aber meistens besonders in der 1. Stunde auffällig.
Bei welchen Grenzwerten ist die DIagnose "Diabetes mellitus " gerechtfertigt? Ab wann gilt der Begriff "orale Glucosetoleranzstörung"? Welche Kontrollintervalle werden empfohlen?

Diskussion

4 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 40 Ärzte verfolgen diese Diskussion
Dr. ...Dr. ...(1)
FA für Innere Medizin, Pathologie

Als Screeningparameter ist das HbA1 wenig sinnvoll, da es im Frühstadium oft normal ist. Besser und billiger ist ein postpradialer Blutzucker (d.h. den Check-up nicht mehr nüchtern machen). Wenn der normal (unter 110) ist und die Familienanamnese und Gewicht ok, ist ein Diabetes praktisch ausgeschlossen. Die Internationalen Definitionen (z:B. Nüchternblutzucker unter 110 helfen wenig, da sie für Studien gedacht sind. Zahlreiche Diabetiker haben NBZ unter 110. Der OGT ist gut aber unterliegt großen intraindividuellen Schwankungen. Normalerweise leigt dr 2h Wert unter 140, bis 200 spricht man von gestörter Glucosetoleranz, klinisch liegt aber dann schon lange ein metabolisches Syndrom vor, welches wie ein Diabetes bethandelt werden sollte (Ernährung, Bewegung, Metformin)

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

HbA1c als Screening ist nicht sinnvoll und auch zu teuer, da dieser Wert z.B. auch fälscherweise normal sein kann, wenn das Hb zu niedrig ist, was ja gerade bei Frauen relativ häufig vorkommt.
Ein BZ von über 160 beim OGT nach einer Stunde sehe ich als pathologisch an, ich lasse dann eine Ernährungsberatung durchführen und bestelle den Patienten regelmässig (alle 3 -6 Monate) zur Laborkontrolle ein, dabei überprüfe ich natürlich auch den HbA1c. Ich erkläre dem Patienten, dass eine Lebensstiländerung mit mehr Bewegung und weniger falsche Lebensmittel, einen Diabetes noch aufhalten kann.

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Ihre Beobachtung, dass der HbA1c oft gering erhöht ist, verdeutlicht das (grundsätzlich bestehtende) Problem bei Screeninguntersuchungen. Wenn ein Parameter oft falsch positive Werte liefert, zieht das immer eine Reihe von z.T. nicht notwendigen Untersuchungen oder Interventionen nach sich. Dies ist ein Problem wegen a) Patient wird unnötig weiter untersucht, verunsichert etc. b) anfallenden Kosten.

Grundsätzlich wird ausdrücklich das HbA1c nicht als Screening-Parameter angesehen. Die Diagnose DM ist zu stellen (siehe auch LL DDG) bei
a) klassische Symptome und ein Gelegenheits-BZ > 200 mg/dl
b) wiederholter Gelegenheits-BZ > 200 mg/dl
c) Nüchtern-BZ größergleich 126 mg/dl (ven.Plasma) bzw. 110 Kapillarbl.
d) OGTT-2-h-Wert größer 200 mg/dl

bei einer Nüchternglukose > 100 und < 126 mg/dl (venös) spricht man von "Abnormer Nüchternglukose" (impaired fasting glucose, IFG), diese ist ein RF für die Entwicklung eines DM
bei einem 2h-Wert im OGGT > 140 und < 200 spricht man von gestörter Glukosetoleranz, ebenfalls ein RF für die Entwicklung eines manifesten DM.

Es kann beides unabhängig voneinander existieren, d.h. entweder IFG oder gestörte Glukosetoleranz und natürlich beides gleichzeitig. Erste Maßnahmen sind wie immer ein Versuch einer Lebensstilmodifikation und weitere Kontrollen, ich empfehle einen Intervall von drei bis sechs Monaten, es muss ja auch genug Zeit sein dass eine Intervention einen Effekt zeigen kann. Ich bin dagegen,zu früh mit Medikamenten loszulegen, das halte ich nicht für eine gute Motivation, tatsächlich seinen Lebensstil zu ändern. Gibt es andere Meinungen?

Gruß

Link zu den Leitlinien: http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft ... n.php

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt), Augenheilkunde

HbA1 oder HbA1c sind als Screening in sachen D.M. ungeeignet, zu aufwendig und zu teuer. Empfehlenswert als Screening ist die Blutglukose (BG)-bestimmung nach einem normalen Frühstück (etwa 1- max. 2 Stunden nach der Mahlzeit, also pp und ohne Zuckerbeschränkung). Liegen Risikofaktoren (RF) für D.m. oder ein bekanntes metabolisches Syndrom (noch ohne gestörte Glukosetoleranz) vor, sollte nach einer kurzfistigen und normalen pp-BG-Kontrolle ein oGTT (oraler Glukosetoleranztest) durchgeführt werden. Sind ppBG und oGTT im Normbereich und findet sich mindestens ein RF, ist eine Beratung dringend empfehlenswert, weitere Kontrollen - bei Normwerten - sollten 2 x / Jahr erfolgen. Bei den Kontrollen sollten ppBG, Gewicht, RR oder weitere RF geprüft werden.

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Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



Informationen zum Beitrag

Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Allgemeinmedizin, Innere Medizin (ohne Schwerpunkt), Endokrinologie und Diabetologie,

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
diabetes mellitus, glukosetoleranztest, hba1 c

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23