Dermatologie, Anästhesiologie allgemein, Innere Medizin, Allgemeine Psychiatrie, Schmerztherapie

Erfahrungen mit Placebos 5 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 53 Ärzte verfolgen diese Diskussion

Dr. ...
Dr. ...
Allgemeine Psychiatrie
Berlin
Liebe Kollegen,
Arbeiten Sie gelegentlich oder regelmäßig mit Placebos?
Wie sind Ihre Erfahrungen, gibt es Krankheitsbilder, bei denen Placebos besonders gut wirken?

Ihre Beiträge würden mich sehr interessieren!

MfG

Abstimmungsergebnis


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Also ich verwende gerne Placebos. Jetzt auch nicht übermäßig. Aber bei manch überlagerten Patienten ist es durchaus einen Versuch wert. Man kann überraschend Gute Effekte damit erzielen.


Alle Ärzte verwenden Placebos, manchmal unbewußt.
Wenn man überlegt wieviele Placebos in der Paramedizin herumgeistern, z.B. Homöopathie,Akkupunktur, Anthroposophische Medizin etc., etc., deren Anwender ständig ohne belastbare Untersuchungen behaupten es hilft,kann man durchaus mal Placebos anwenden.
Da ein Großteil unserer Krankheiten eine sehr starken psychosomatische Komponente hat, müssen wir gelegentlich mit Placebos arbeiten um dem Patienten nicht unnütze ggf. gar schädlche Medikamente zu verabreichen ( denn Medikamente will er)


Alle Ärzte verordnen Placebos, die meisten davon unbewußt.

In Deutschland wird - gut belegt - medikamentös chronisch und flächendeckend unterdosiert, d.h. unterhalb der evidenzbasierten wirksamen Dosen und das durch alle Fachrichtungen. Daraus folgt...


Dr. ...
Dr. ...
FA für

Placebos wirken -
bei psychischen Erkrankungen ist die Wirkstärke von Placebos teilweise grösser als der dann noch resultierende Unterschied zwischen Placebo und Verum, aber ich verordne prinzipell keine Placebos aus folgenden Gründen:

Wenn eine diagnostizierbare Erkrankung vorliegt und der Patient eine (indizierte) Medikation wünscht, dann hat er Anspruch auf diese Medikation.

Eine Placobobehandlung ist m.E. mit Grundsätzen einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit nicht vereinbar.

Wenn ein Patient eine Medikation wünscht, liegt in der Regel eine Symptomatik vor, von der er eine Linderung wünscht. In vielen Fällen gibt es (im Hinblick auf Kosten und Risiken) vertretbare symptomatisch wirksame Medikamente (oft Phytopharmaka)mit belegter, wenn auch moderater Wirkung. Der "Placeboeffekt" kommt auch bei ihnen zum Tragen, sie sind aber kein "leerer fake" und dieses Vorgehen halte ich für vertretbar.

Bei vorbestehender Medikation halte ich es oft auch für vertretbar, Medikamente zu verordnen, die ich so nicht empfohlen hätte, wenn die Patienten für eine Änderung noch nicht zu gewinnen sind. Das erscheint mir besser, als wenn sie woanders das holen, was sie wollen, ohne dass dies in der Behandlung wieder aufgegriffen wird. Ich erlebe es oft, dass es dann "auf dem Nebenweg" doch gelingt auch über andere Themen ins Gespräch zu kommen, wobei die Gespräche dann oft in "gemeinsam vertretbare" Behandlungsentscheidungen münden können.


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