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Interessante Symptomkonstellation: Differentialdia...

Dr. ...
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Interessante Symptomkonstellation: Differentialdiagnosen?

Liebe Kollegen:
lassen Sie mich von folgendem Fall berichten:

16jähriges Mädchen kommt abends in die Rettungsstelle mit mehreren Beschwerden:
-im Vordergrung stehen suvjektiv Knieschmerzen links mit Bewegungseinschränkung seit dem Vormittag nach dem Hinhocken in der Schule
- 3 maliges Erbrechen seit 14:00
- seit 17:00 ubiquitärer Ausschlag am ganzen Körper mit Aussnahme des Gesichtes, kleinfleckig, rot, evtl. kleine Einblutungen, kein Juckreiz
- seit dem Nachmittag auch Fieber bis 40 Grad

Begleiterkrankungen
Adipositas
Hypertonus
Diabetes mellitus Typ II (16 Jahre alt!!!)

Die Patientin hatte ein 100er CRP und 12.000 Leukos, Bili von 1,4, keine Transaminasen.

Sie ist - entgegen jeden Rat zunächst gegen ärztlichen Rat nach Hause gegangen.

Am nächsten Tag: Wiedervorstellung in der RST mit CRP > 300 19.000 Leukos, subfebrile Temp, schweissig, AZ dtl verschlechtert. Harn frei.

Ultraschall Abdomen: Cholezystolithiasis, leichte Steatosis hepatis mit dezenter Hepatomegalie und Splenomegalie...

EBV, Parvo B 19? Irgendeinen Kinderkrankheit???

Wir haben bisher keinen wirklichen Fokus. Serologie ist unterwegs.
Gruss und freu mich auf Anregungen.

Diskussion

9 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 137 Ärzte verfolgen diese Diskussion
1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Leuco 19.000 CRP 300 EBV eher unwahrscheinlich. Interessant
wäre Diff, Lokalbefund Knie.
Letzlich ist von der Gonarthritis mit Sepsis bzw.umgekehrt bis Still (eher unwahrscheinlich) alles denkbar.Was machen die
Thrombos ?

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Kardiologie, Pulmologie

Danke für den Beitrag,

die Thrombos sind ein wenig supprimiert, habe die Laborwerte gerade nicht vorliegen, aber neue Infos:
am 2. Tag auf ITS entwickelte die Patientin einen (vorher nicht vorhandenen) Meningismus und Kopfschmer - Befund Liquorpunktion: Meningokokken im trüben Liquor - neue, für mich doch überraschende Diagnose: Meningokokkensepsis. Zum Glück ist die Patientin stabil und unter adäquater Antibiose auf dem Wege der Besserung.

Lokalbefund Knie: chir. Konsil: keine Fraktur, V.a. Meningismusläsion

MfG

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Anatomie + Histologie

Behalten Sie das Knie im Auge! Meniskus könnte schon sein und hat beim aktuellen Bild Zeit. Wenn das Knie vor der Antibiose aber heiß war und bei Druck über dem oberen Kapselrezessus schmerzt: eher parainfektiöse Reaktion oder Gelenkabsiedelung der Sepsis ,- als ein zusätzliches mechanisches Problem. Im Falle eines Knie-Ergusses im Zweifel Punktion mit Kultur und Mikroskopie. Bei persistierendem Infekt im Knie erneutes unfallchirurgisches/orthopädisches Konsil zur Frage AS/Lavage/Synovektomie angeraten, da mit systemischer Antibiose zwar Mitigierung der Beschwerden im Knie zu erwarten, aber Ausheilung nicht sicher.
MfG

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin

Die junge Patientin ist ja mittelweile wohl stationär. Wenn sich das Vollbild eines Waterhouse-Friderichsen-Syndrom mit NNR-Insufffizienz ausbildet, ist die Prognose nicht so günstig. MfG HK

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Ich hab' es erst später gelesen-Fieber und Exanthem(zumal Purpura) ist immer auf Meningitis verdächtig.

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Noch einige Fragen- War sie geimpt? Um welchen Menigokokken handelte es sich? Welche Antibiose erhält sie und wie(intrathekal?)
Danke

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Kinder- und Jugendmedizin

Wurde serologisch auf Borrelien, Salmonellose und Yersiniose untersucht?

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Kardiologie, Pulmologie

Liebe Kollegen,
die Patientin hat Rocephin i.v. erhalten. Umgebungsprophylaxe wurde mit Ciprobay gewährleistet.
Die Patientin hat sich glücklicherweise schnell stabilisiert. Erreger waren gramnegative Meningokokken.
MFG

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Kinder- und Jugendmedizin

Waterhouse-Friderichsen Syndrom tritt in letzter Zeit häufiger auf, es gibt örtliche Häufungen - bei uns z.B. das Remstal. Impfungen sind dann empfehlenswert. Vor allem wenn eine Infektabwehrschwäche wie bei Diabetes oder eine familiäre Disposition zu - hatte in der Familie mal schon einer eine Meningitis ?- vorliegt. Schweres Krankheitsgefühl, hohes Fieber und Maculae - die Einblutung sieht unter Druck mit einem durchsichtigen Spatel - da empfiehlt sich immer eine Lumbalpunktion.

Dr. ...Dr. ...
FA für Kinder- und Jugendmedizin

Das Mädchen hatte ja Glück daß es bei all seinen Risikofaktoren keinen foudroyanten
Krankheitsverlauf hatte. Daher schließe ich bei den Erregern auf Gruppe B-Meningokokken.
Ich habe leider schon erleben müssen wie ein 4Jähriger innerhalb von 6 Stunden
an einer Meningokokkensesis verstorben ist. Außer 40° Fieber und wenigen 1-2mm
großen Blutungen in den letzten 3 Lebensstunden bestanden keine weiteren Symptome.
Ein Blutbild mit CRP war wenige Stunden vorher unauffällig sodaß die Eltern eine
stationäre Aufnahme ablehnten! 6 stunden später brachten sie ein totes Kind ins
Krankenhaus! Welche Serogruppe die Meningokokken waren kann ich mich nichtmehr
erinnern. Weil wir diesen Fällen so hilflos gegenüberstehen, kann ich nur dringend zur
Meningokokken-C-Impfung raten!

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin, Pädiatrische Intensivmedizin, Infektiologie (KuJ), Neonatologie

Danke für den interessanten Bericht - ein typischer Meningokokkenfall. Leider ist immer noch nicht klar, warum die eine invasive Meningokokken-Infektion zum Vollbild des Waterhouse-Friderichsen-Symdroms führt und eine andere bei der septischen und/oder meningitischen Erkrankung stehen bleibt und dann in der Regel eine gute Prognose hat. Wenn Sie da dran bleiben wollen - wir untersuchen diese Zusammenhänge und bieten in diesem Rahmen ein kostenloses Screening auf Risikofaktoren für eine invasive Meningokokken-Infektion an:

www.meningokokken-netz.de

Dr. Christoph Müller
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Freiburg

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letzte Änderung: 3.9.2010 12:39