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Muttermundrigidität bei Erstgebärender

Dr. ...


Muttermundrigidität bei Erstgebärender

Liebe gynäkologische Kollegen,

wie hoch schätzen Sie das Risiko ein, dass sich ein Kaiserschnitt wegen Rigidität des Muttermundes bei einer weiteren Geburt wiederholt? Theoretisch kann die nächste Geburt doch auch normal ablaufen, oder?
was steht hinter einer solchen Rigidität? Von Hebammen höre ich häufig, dass es psychosomatisch ist.

Vielen Dank

Diskussion

3 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 27 Ärzte verfolgen diese Diskussion
Dr. ...Dr. ...
FÄ für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Liebe Frau Keller !
Grunsätzlich wäre es gut, genaueres über den Geburtsverlauf zu wissen, besonders darüber, was genau mit Rigidität gemeint ist. Natürlich gibt es die Möglichkeit, dass die Pat. so verspannt gewesen ist, dass der MM nicht aufgehen wollte. Dann wäre auf jeden Fall eine normale Geburt mit guter Schmerztherapie möglich. Häufig geht der Muttermund aber auch nicht weiter auf,wenn ein Missverhältnis zwischen Becken und kindlichem Kopf besteht.Ist das Kind sehr groß gewesen ? Dann würde man es zum Beispiel von der Größe des zweiten Kindes abhängig machen,ob man eine Spontangeburt versucht. Auf jeden Fall gilt schon lange nicht mehr der Satz :"Einmal Sectio,immer Sectio". Viele Grüße

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Psychiatrie

Lieber Kollege Med8387,

Kind wog 3600g, Mutter gesund und jung, wollte zu Hause entbinden, mit unauffälliger Wehentätigkeit, Patientin konnte nach ihrer Aussage den Schmerz gut "wegatmen", MM trotz entsprechender ärztlicher Betreuung im Krankenhaus nach 20 Stunden immer noch nicht ausreichend geöffnet deshalb Entscheidung zum Kaiserschnitt. Patientin war nach der Geburt sehr traurig und unzufrieden, dass sie es nicht "geschafft" hatte, ihr Kind normal zur Welt zu bringen. Wünscht weitere Kinder, hat aber Angst vor einer Wiederholung.
Was denken Sie?

LG

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Liebe Kollegin,
Ihre Beschreibung des Geburtsverlaufes spricht meiner Meinung nach nicht für eine Rigidität, wie es z.B. nach Vernarbung auftreten kann. Dann leistet der MM von Anfang an "Widerstand" und geht bei sehr starken Schmerzen über wenige cm nicht hinaus. Wenn Sie beschreiben, dass in der Klinik 20 h Verlauf abgewartet wurde, sollte man davon ausgehen, dass stets ein leichter Fortschritt bei der Öffnung des MM erzielt wurde. Wenn z.B. ein Mißverhältnis von Kopf und Becken vorliegt, haben wir letztendlich oft einen Geburtsstillstand bei 6-8 cm und der MM geht bis 10 cm nicht mehr auf. Hier wäre z.B. eine Beckenröntgenaufnahme vor einer erneuten SS eine Möglichkeit, eine geburtsunmögliche Beckenform auszuschließen. Sollte hier kein Problem vorliegen, würde ich ganz optimistisch an einen Versuch der Spontangeburt herangehen.
Grundsätzlich habe ich bei Ihrer Patientin aber noch das Gefühl, dass sehr viel Blockade durch einen "Leistungsdruck" vorliegen könnte. Nicht spontan entbunden zu haben ist per se ja kein Versagen, wird aber anscheinend so verstanden. Daran vor einer erneuten Geburt zu arbeiten und die Möglichkeit Kinder zu bekommen trotz des Kaiserschnittes und diesen möglicherweise als bewußte Inkaufnahme mit Stolz bei einer neuen Schwangerschaft zu vertreten, empfinde ich als sehr dringlich. Dann glückt vielleicht auch die Spontangeburt.
Viele Grüße

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Psychiatrie

Liebe Kollegin,

ja, Leistungsdruck ist ein wichtiger Aspekt in der Biographie der Patientin. Eine Vernarbung des MM lag meines Wissens nicht vor, auch ein Missverhältnis von Becken und Kopf des Kindes wurde inzwischen ausgeschlossen.
Was denken Sie denn über ein zurückliegendes Missbrauchserlebnis der Pateintin? Erfahrene Hebammen erwähnen so etwas in diesem Zusammenhang.
Vielen Dank und viele Grüße

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Liebe Kollegin, sicherlich könnte ein Missbrauch zu so einem Geburtsverlauf führen, doch gibt es weit aus häufiger genug andere Gründe, um gleich an so einen Grund zu denken.Es reicht eigentlich schon aus, ein Mensch zu sein,der zum Beispiel nicht gerne die Kontrolle aus der Hand gibt, und schon ist eine Entspannung unter so einem im wahrsten Sinne "überwältigendem" Ereignis wie einer Geburt nicht möglich. Oder in der Konstellation mit dem Partner ist zum Beispiel ein sich dermassen gehen lassen nicht möglich, da die Patientin in der Paarkonstellation vielleicht immer derjenige ist, der die Kontrolle behält. So sind viele Varianten als Begründung möglich. Liebe Grüße

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Liebe Frau Keller,
diese Frau wollte zu Hause gebären, das sagt für mich schon fast alles. Sie wollte nicht im KH gebären (wahrscheinlich "wußte" sie, daß sie dort nicht loslassen können würde aufgrund ihrer Persönlichkeit und/oder früherer Erfahrungen, hatte Angst vor dem Eindringen in ihre Privatsphäre usw.). Auch wenn ihr Verstand ihr dann sagte, dass sie keine Wahl hat, als sie einmal im KH war, hat "dicht" gemacht. Innerlich wie äußerlich. A la "in diese mir gefährlich erscheinende Umgebung kann ich das Kind nicht gebären". Das Problem liegt doch ganz selten nur in der Anatomie der Frau, sondern die Psyche spielt die größte Rolle (Wie erlebt und reagiert Frau auf ihre Umgebung? In dem Fall eine fremde Umgebung, in der sie sich leicht vom Fremden fremdbestimmt fühlt.). Gerade unter der Geburt sind Frauen da sehr sensibel, was ja recht häufig zum Verschwinden der Wehen, schwachen Wehen oder eben rigidem Mumu führt.
Meine Meinung: Sie sollte das nächste Kind mit einer kompententen, ihr vertrauten Hebamme zu Hause planen und kriegen. Dann bin ich sehr sicher, daß das auf normalem Wege und ohne Kampf geschehen kann. Zu Hause kann sie entspannen, man kann die Belastung der Narbe niedriger halten, als es wohl im KH möglich wäre, weil sie eben besser entspannen kann, weil kein Wehentropf zum Einsatz kommt, weil sie die Freiheit hat, sich zu bewegen, wie sie will und die Schwerkraft zur Hilfe nehmen kann. Hebamme wie Frau sollten natürlich die Symptome einer drohenden Ruptur kennen, auch wenn diese (erst recht unter solchen Bedingungen) äußerst selten ist. Ich denke, daß diese Frau weiß, was die beste Gebärumgebung für sie ist. Interessieren würde mich, warum sie trotz Hausgeburtswunsch ins KH gegangen ist.
Liebe Grüße

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Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



Informationen zum Beitrag

Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Allgemeine Gynäkologie, Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin,

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
Muttermundrigidität, Psychosomatik, Geburt

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23