Hier einloggen:
Username oder E-Mail Adresse

 
Passwort

 

Wiederzulassung Thalidomid?

Dr. ...
Bewertung:


Wiederzulassung Thalidomid?

Wirkstoff Thalidomid (Contergan): Deutsches Ärzteblatt vom 12.10.2007
Thalidomid gewinnt als Therapeutikum wieder an Bedeutung: Wegen seiner antineoplastischen, antiimflammatorischen und antiangiogenetischen Wirksamkeit wurde Thalidomid weltweit meist innerhalb von klinischen Studien in Therapieversuchen erprobt; unter anderem bei Hauterkrankungen (Erythema nodosum leprosum, Lupus erythematodes), Tumoren (multiples Myelom, Non- Hodgkin- Lymphom) und Autoimmunerkrankungen- mit teilweise ermutigenden Ergebnissen. Zulassungen: USA 1998, Australien 2003, Neuseeland 2003, Türkei 2004, Israel 2004.

Was halten sie davon, Thalidomid in Deutschland wieder einzuführen?

Diskussion

6 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 130 Ärzte verfolgen diese Diskussion

Abstimmungsergebnis

Sind Sie für eine Wiederzulassung von Thalidomid in Deutschland?

Das Abstimmergebnis ist nur für esanum Mitglieder einsehbar. Eine Mitgliedschaft für Ärzte ist kostenlos!
1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Hämatologie und Onkologie, Endokrinologie und Diabetologie, Gastroenterologie

Thalidomid wird nie und nimmer in Deutschland wieder eingeführt werden (persönliche Meinung). Sein Abkömmling Lenalidomid allerdings ist in der Häm/Onk seit Mitte des Jahres zur Behandlung des Multiplen Myeloms zugelassen (in Kombi mit Dexamethason), und ich denke, dies wird nicht die letzte "Tochtersubstanz" sein. Auch die Tochtersubstanzen müssen allerdings mit dem Contergan-"Erbe" kämpfen, liest man sich einmal das umfassende Schwangerschaftverhütungsprogramm für Patientinnen im gebärfähigen Alter durch ( http://www.myelom.at/download/lenalidomid.pdf ).

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin

Was spricht gegen die Einführung von Thalidomid, wenn es bei den o.g. Indikationen wirksam ist? Wir sollen hier in Deutschland doch nicht auch noch auf diesem Gebiet mit unserer bösen Vergangenheit argumentieren. Das blockiert Denken. Die Gefahren von Thalidomid sind bekannt und vermeidbar. Auch die übrige gegen Malignome eingesetzte Therapie ist im Falle einer Schwangerschaft nicht unproblematisch.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Ich schliesse mich der Meinung meines Vorgängers an: Unter Hinweis auf die fruchtschädigende Wirkung und kontrollierter Kontrazeption sehe ich keinen Grund, warum ein so wirksames Medikament nicht wieder eingeführt werden sollte. Zudem ist Thalidomid nicht das einzige fruchtschädigende Medikament auf dem Markt (s.z.B. Neotigason).

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin

Thalidomid wird in Kürze - sinnvollerweise - in Europa für die Behandlung des multiplen Myeloms zugelassen (positive Opinion/EMEA vom 24.1.2008). Es unterscheidet sich vom Lenalidomid durch das UAW-Profil und ist unverzichtbarer Bestandteil der modernen Therapie des multiplen Myeloms.

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Physiologie, Pharmakologie und Toxikologie

Natürlich brauchen wir diese Substanz. Die Frage einer Zulassung in Deutschland stellt sich doch nicht wegen des "problematischen" pharmakologischen Profils. Wir haben viel zu wenige Stoffe die gezielt (also nicht wie Ginko oder Mistel) zur Steuerung immunologischer Transmitter (hier Supression von TNF-alpha, IL6/12) geeignet sind. Die Antiangiogenetische Wirkung am Menschen ist so gut bewiesen wie die kaum eines anderen Stoffes. Die Schwierigkeiten die Bauchschmerzen machen sind das wir viele Effekte eben auf molekularer Ebene noch nicht abschließend kennen bezw. verstehen. Das bestärkt die Angst, daß sich noch eine weitere
Hölle auftun könnte und dann die Hinrichtung der Verantwortlichen mit dem Vorwurf erfolgt... man hätte doch gewusst. Unsinn. Wir wissen eben vieles nicht und das ist bei den derzeit diskutieren Nachfolgern Lenalidomid etc. ja nicht besser. Wenn Sie einen Patienten mit Lepra oder einem mult. Myelom fragen, wird dem das vermutlich ziemlich ziemlich egal sein, Hauptsache es hilft. Patienten, die solche Stoffe brauchen, stehen so in der Ecke, daß diese vermutlich der Name "Contergan" nicht mehr schrecken würde.
Was bei Thalidomid vielmehr Anlass zu Sorgen geben muß ist nicht die teratogene Wirkung, sondern die im "therapeutischen Bereich?!" beschriebene neurotoxische Wirkung, die nach meiner Kenntnis bis heute nicht hinreichend mechanistisch geklärt ist.
Noch ein Punkt: Thalidomid ist nicht mehr patentfähig, läßt sich also preiswert auf den Markt bringen, wenn man das will.
Die Nachbauten und Folgesubstanzen werden vermutlich extrem teuer werden - wenn es bei der Arzneimittelgesetzgebung der ersten Welt bleibt - sicherlich unerschwinglich für viele Patienten in Asien und Afrika. Ich halte es für besser, wenn wir hier in Europa erforschen und lernen mit dieser Stoffgruppe umzugehen als es den wesentlich schlechter ausgestatteten Kollegen in (z.B.) Kerala alleine zuzumuten.
Das Leben ist gefährlich und endet immer tödlich; das alleine ist kein Grund Patienten sog. "obsolete" Stoffe zu verweigern, solange wir keine medizinische und für die Betroffenen auch wirtschaftlich zu realisierende Alternative anbieten können (siehe AIDS / antivirale Therapeutika).
Natürlich muß der Arzt / die Ärztin bei der Anwendung hellwach sein und den Patienten erklären, was geschehen soll.
Ich halte es für unethisch durch restriktive gesetzliche Maßnahmen generell Altarzneimittel vom Markt zu verdrängen und damit faktisch aus der Produktion zu nehmen. Dann werden sie eben in einer indischen Seifenfabrik -zu welchen Qualitätsstandards auch immer- hergestellt werden.
Der weitaus größere Teil der Menschheit kann sich den - fraglos erstrebenswerten - Sicherheitsstandard der Arzneimittel für Europa / Nordamerika überhaupt nicht leisten. Es ist doch eine gradezu arrogante Lebenslüge zu behaupten, wenn es um die Gesundheit geht/ginge, wäre für jeden von uns nur das Beste gut genug. Das meinen wir uns in Europa noch leisten zu können; schon die ca 40 Mio. US-Bürger ohne KV werden das ganz anders sehen.
Natürlich wird man sich - hier in Deutschland- Gedanken machen müssen, wer unter welchen Bedingungen - Problemstoffe verschreiben darf. Es kann keinesfalls erwünscht sein, daß so problematische Altsoffe leichtfertig als Billigalternative in der Basismedizinischen Versorgung beim Hausarzt (ohne diesen Kollegen im Einzelfall die Kompetenz hierzu absprechen zu wollen) landen. Natürlich sind unsere Patienten keine Versuchskaninchen. Wenn man die Alternative hat, hier und jetzt dem Betroffenen anders und sicherer helfen zu können.
Aber garnichts tun? Auch nihil nocere muß man sich leisten können. Der einzige der in diesen Fällen ethisch berechtigt ist, über die Anwendung (oder Unterlassung) zu entscheiden, ist m.E. der Patient. Der muß sein Fell hinhalten, nicht eine weit entfernt im Trockenen und Warmen sitzende Ethikkomission. Videant Consules - Wir sollten die Betroffenen fragen.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Gynäkologie, Allgemeinmedizin

Ich kann mich den vorigen Kommentaren nur anschließen. Meines Erachtens ist es bei Anwendung von Thalidomid in Deutschland bei Patienten im reproduktiven Alter allerdings ein Muss, das Thema anzusprechen, das fördert die Compliance und das Vertrauensverhältnis, man sollte nur klar die Indikation begründen und erläutern. Zur eigenen Sicherheit könne Zweifler ja entsprechend dokumentieren.
Da ich selbst aus der Gyn komme, ist dieses Thema natürlich sehr heiss, wobei die Anzahl derjenigen Patient/Innen, die mit dem Bregriff nichts mehr anfangen können, schon wieder erschreckend hoch ist !
Ich selbst würde das Medikament bei korrekter Indikation und gesichertem Schwangerschaftsauschluß genauso empfehlen wie die meisten embryotoxischen Medikamente. Schließlich kommt es, wie immer, auf die exakte Indikationsstellung an, wenn nicht richtet fast jedes andere Medikament auch, grauenhaften Schaden an.

In 20 Sekunden Mitglied werden!

„esanum - Ihre Ärzteplattform im Internet


Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



Andere interessante Beiträge

neuer BeitragPolycythaemia vera: Thalidomid-Therapie ?
Wer kann über Erfahrungen mit einer Thalidomid-Therapie bei Z.n. langjähriger P. vera mit ...
neuer BeitragPatientin mit Alkoholschmerzen
Ich habe gerade eine Patientin (32 Jahre alt) in Behandlung, die unter auffälligen Alkohol...
neuer BeitragUhthoff-Phänomen
Die meisten Menschen fiebern den baldigen sonnigen und warmen Sommertagen entgegen. Anders...
neuer BeitragMBT-Schuhe gegen Rückenschmerzen?
Liebe Kollegen, ich habe eine 40-jährige Patientin, die seit nahezu einem halben Jahr i...
neuer BeitragTHEMENSCHWERPUNKT COPD
Die hohe Sterberate von COPD-Patienten liegt bekanntlich nicht in erster Linie an einer zu...
Kontakt | AGB | Datenschutz | ihre Fragen | Hilfe | Presse | Impressum
esanum.de | esanum.at | esanum.ch | esanum.es | esanum.it | esanum.fr
letzte Änderung: 8.5.2012 18:23