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Zungenschwellung nach Vollnarkose

Dr. ...
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Zungenschwellung nach Vollnarkose

Sehr geehrte Kollegen,


folgenden Fall möchte ich Ihnen zur Diskussion anbieten:

Einer unserer Patienten entwickelte nach einer Kniearthroskopie in Vollnarkose mit Larynxmaske zwei Stunden postoperativ auf Normalstation eine einseitige Zungenschwellung links. Die initiale medikamentöse Therapie begannen wir mit 1000mg Urbason iv, 50 mg Ranitic iv und Fenistil 8 mg. Der Patient hatte ein deutliches Globusgefühl und war sichtlich irritiert, äußerte aber sonst subjektives Wohlbefinden, keine Urtikaria oder Pruritus. Die Kreislaufparameter waren alle im Normbereich. Wir verlegten den Patienten zur weiteren intensivmedizinischen Überwachung. Im weiteren Verlauf von 24 Stunden war die Schwellung rückläufig und der Patient konnte wieder auf Normalstation verlegt werden.

Als Voerkrankungen sind ein Hypertonus bekannt der mit Atacand und Corvo seit über einem Jahr behandelt wird.

Als Frage stellt sich nun die Genese der Zungenschwellung. Mechanische Irritation durch die Larynxmaske? Immunologisch/Anaphylaktisch? Als Nebenwirkung der Narkosemedikamente (Fentanyl/ Desfluran/ Dipidolor/Metamizol)oder der Antihypertonika? C1 Esterase Mangel/Angioödem? Trigger?

Ein internistisches Konsil erbrachte keine Hinweise auf die Genese, die Medikation wurde jedoch verändert. Ein Termin in der Angioödemsprechstunde steht noch aus.


Haben sie Erfahrungen mit ähnlichen Ereignissen und Verläufen?


Mit freundlichen Grüßen

Diskussion

4 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 60 Ärzte verfolgen diese Diskussion
2 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Bei einem isolierten Angioödem der Zunge immer an ACE-Hemmer denken.

Im vorliegenden Fall typische Auslösung durch Enalapril.

Als Besonderheit kann es dabei vorkommen, dass das ACE-Hemmer-induzierte Angioödem nur durch einen weiteren Trigger wie eine Intubationsnarkose, sicherlich auch Larynxmaskennarkose manifest wird. Eine weitere Besonderheit ist, dass ein Angioödem auch noch nach jahrelanger Einnahme des ACE-Hemmers auftreten kann.

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Warum ist es aber nur einseitig gewesen,wenn's von ACE-Hemmer kam?
Wäre ein Tubusdruckschaden nicht plausibler?

1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Aha, ein Tubusdruckschaden bei einer Larynxmaske. Na ja vielleicht habe ich ja auch das Prinzip einer Larynxmaske nicht verstanden, obwohl ich zunächst einmal "gegoogelt" habe, bevor hier geschrieben.

Sonst hätte ich auch noch eine Kontakturtikaria auf Latex durch den Tubus eher noch postuliert als einen Druckschaden.

Und bez. ein- und doppelseitig, sie können ja ebenso fragen, wieso nur die Zunge und nicht die Lippe?

Gibts eben!

Dr. ...Dr. ...
Pulmologie

Atacand / Blopress ist ein AT-II-Blocker. Bislang gibt es noch keine sicheren Erkenntnisse, aber die Wahrscheinlichkeit der genannten NW soll bei dieser Stoffgruppe um ein Vielfaches niedriger liegen.
Ich denke mal, die Angiödemsprechstunde ist jetzt der nächste Schritt, und wahrscheinlich... wird nichts herauskommen, wenn der Patient keinen C1-Ersteraseinhibitormangel hat.
Latex ist auch eine interessante Idee, läßt sich ja leicht nachweisen (IgE, Pricktest unter kontrollierten Bedingungen).

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

"Atacand / Blopress ist ein AT-II-Blocker. Bislang gibt es noch keine sicheren Erkenntnisse, aber die Wahrscheinlichkeit der genannten NW soll bei dieser Stoffgruppe um ein Vielfaches niedriger liegen."

Eine wirklich interessante Aussage. Haben Sie aber schon gelesen, dass der Patient auch

Corvo = Enalapril

erhält. Was meinen Sie denn zu diesem Medikament, wäre einmal gespannt.

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

pikanterweise hatte gerade vor einer Woche auch eine 90jährige Patientin von mir im Rahmen einer Larynxmasken-Narkose eine massive Zungenschwellung ebenfalls(!) einseitig links.Bei Entlassung am Montag war nur noch eine Irritation des Zungenbändchens sichtbar. Am Mittwoch 29.4. erscheint selbige Patientin akut mit einer massiven Unterlippenschwellung, welche sich nach 250 Soludecortin, H2Blocker und Calcium nur zögernd zurückbildet. Die Nachfrage bei einem erfahrenen Anästhesisten ergibt folgende Antworten: Larynxmasken dürften heutzutage keinen Latex mehr enthalten. Möglicherweise liegt eine Allergie auf das Gleitgel vor. Ursache der einseitigen Schwellung unklar (allerdings sehe ich des öfteren einseitige Immun-Lymph-Reaktionen). Die Patientin steht unter Ramipril-Einnahme, weswegen die These Angioödem bei Irritation zusätzlich zu ACE-Hemmer-Einnahme nicht unwahrscheinlich erscheint.

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

"Möglicherweise liegt eine Allergie auf das Gleitgel vor. Ursache der einseitigen Schwellung unklar (allerdings sehe ich des öfteren einseitige Immun-Lymph-Reaktionen). Die Patientin steht unter Ramipril-Einnahme, weswegen die These Angioödem bei Irritation zusätzlich zu ACE-Hemmer-Einnahme nicht unwahrscheinlich erscheint."

"Allergie auf Gleitgel" mit einseitiger Zungenschwellung ?????????
"Einseitige Immun-Lymph-Reaktion", was soll das denn bitteschön sein, insbesondere als Arzneimittelreaktion, die außer als fixes Arzneitmittelexanthem, wenn schon dann immer symmetrisch auftritt, außer halt eben bei ACE-Hemmern. Was ist eigentlich eine Immun-Lymph-Reaktion? Gibt es Quellen, wo sie diesen Ausdruck herhaben?
"Die Patientin steht unter Ramipril-Einnahme, weswegen die These Angioödem bei Irritation zusätzlich zu ACE-Hemmer-Einnahme nicht unwahrscheinlich erscheint."
Ist keine These sondern Fakt. - Eine andere "sinvolle" Erklärung gibt es nämlich nicht.
Eine Latexallergie kann i.ü. auch ganz einfach anamnestisch abgeklärt werden bzw. durch einen einfachen Latex-Prick oder im Extremfall durch Latex-Provokation mittels Knetten eines eines gepuderten Latex-Handschuhs für einige Min.
Hilft insbesondere auch noch die Nachfrage, ob derartige Ereignisse schon früher aufgetreten sind. Die Angioödeme können bei ACE-Hemmern auch ganz unregelmäßig augetreten sein und erfahrungsgemäß erinnert der Patient dann erst auf entsprechende Nachfrage, da war doch schon mal so was gewesen und ach ja da auch nochmals. - Zum besseren und einfacheren Verständnis!

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Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



Informationen zum Beitrag

Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Intensivmedizin, Anästhesiologie allgemein, Allgemeine HNO, Innere Medizin (ohne Schwerpunkt), Immunologie, Notfallmedizin,

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
Zungenschwellung, Larynxmaske, Vollnarkose

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23